„Jeder Eindruck braucht einen Ausdruck.“ Dieser Satz stammt vom Reformpädagogen Armin Krenz und bezieht sich auf die Kraft jener Aktivitäten, die uns die Möglichkeit geben, einen äußeren Ausdruck für unsere innere Welt zu entdecken. Weiterhin fördern kreative Tätigkeiten die Gesunderhaltung unseres Körpers und Gehirns und sorgen für emotionale Stabilität.

Sei es in Form von Tanzen, Malen, Schreiben oder Stricken: Jegliche Aktivität, die wir als Kunst bezeichnen, ist ein Mittel zur Externalisierung von dem, was in uns ist: unseren Emotionen, Meinungen, Glaubenssätzen, Hoffnungen u. v. m.

Vielleicht denkst du, dass du nicht weißt, was „dir liegt“, was dir „Spaß macht“ oder „wofür du talentiert bist“. Ich kann dir in aller Ruhe sagen: All das ist unwichtig. Kreativer Ausdruck muss dir nicht „liegen“, hierfür benötigst du kein „Talent“.

Und zuallererst muss es dir auch keinen Spaß machen. Auf Rumänisch sagen wir: „Der Hunger kommt beim Essen.“

Solltest du bereits einen inneren Drang verspüren: Fang damit an. Weißt du noch nicht, womit du dich beschäftigen möchtest: Probiere dich aus.

Die heutige Welt gibt uns die Möglichkeit, Zugang zu jeder Art von Informationen und Inspirationen zu haben. Es braucht keinen Tanzkurs, um mit dem Tanzen anzufangen. Gibt es eine Nachbarin, mit der du dich besonders gut verstehst? Wie sieht es aus mit einem gemeinsamen Malabend statt Klatsch und Tratsch?

Und was ich noch glaube: Die meisten Menschen, mit denen ich rede, hören diese Informationen nicht zum ersten Mal. Trotzdem gibt es etwas, was sie davon abhält, einen Anfang zu finden.

Diese innere Spannung hing in meinem Fall zusammen mit der Vorstellung, dass ich etwas nur dann mache, wenn es vollkommen sein wird. Zwischen dem gemütlichen Handy und dem Malbuch bin ich beim Handy geblieben. Beim Tanzen dachte ich, dass ich zu müde bin.

Falls das auch bei dir zutrifft: Was mir geholfen hat, sind Achtsamkeit und Akzeptanz. Es „muss“ nicht in einer bestimmten Form erfolgen oder „auf eine Art“ aussehen.

Ich darf anfangen, etwas zu schreiben, ohne dass ich es zu Ende bringe.

Ich darf neugierig darüber sein, ob mir das Malen nicht doch lieber gefallen würde als das Handy. (Und: Je freundlicher wir mit uns in solchen Momenten reden, desto weniger Druck verspüren wir – und dann passiert das Unglaubliche: der Start.)

Bewegung „muss“ nicht in einer gewissen Art aussehen: Ich kann langsam, schnell, achtsam, auf dem Boden, im Stehen oder Sitzen tanzen. Das, was ich Tanz nenne, darf genauso aussehen, wie ich es möchte.

Egal, womit wir anfangen wollen: Je weniger Druck, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass wir damit anfangen.